Willkommen im Exzellenzzentrum für Lymphatische Mikrochirurgie am Evangelischen Krankenhaus Oldenburg – Ihrem spezialisierten Ansprechpartner für modernste Diagnostik und hochpräzise mikrochirurgische Therapien des Lymphödems.

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Lymphödem

Ein Lymphödem ist eine chronische, fortschreitende Gewebsschwellung, die durch eine Störung des Lymphabflusses entsteht. Dabei kommt es aufgrund einer angeborenen (primären) oder erworbenen (sekundären) Schädigung des Lymphgefäßsystems zu einer Ansammlung proteinreicher Flüssigkeit im Interstitium, was Entzündungsprozesse, Fibrose und eine erhöhte Infektanfälligkeit begünstigt.

Mit anderen Worten, ein Lymphödem ist eine chronische Schwellung, die entsteht, wenn das Lymphsystem die im Gewebe entstehende Flüssigkeit nicht mehr ausreichend abtransportieren kann. Dadurch lagert sich eiweißreiche Flüssigkeit im Gewebe ab, was langfristig zu einer Verhärtung des Gewebes und einer erhöhten Anfälligkeit für Entzündungen führen kann.

Lymphzentrum

Dr. med. Lucian P. Jiga FACS

Zentrum Koordinator, Chefarzt

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Mehr Informationen

Hier finden Sie unsere Informationen zum Thema Lymphödem auf einen Blick.

Weltweit wird geschätzt, dass zwischen etwa 140 und 250 Millionen Menschen an einem Lymphödem leiden — damit gehört das Lymphödem zu den häufigeren chronischen Erkrankungen weltweit. Die angeborene Form (primäres Lymphödem) ist hingegen sehr selten: Sie tritt in etwa 1,15 pro 100.000 bis 1 pro 6.000 Geburten auf. Die große Mehrheit der Fälle (bis zu 99 %) sind sogenannte sekundäre Lymphödeme — sie entstehen durch Schädigungen des Lymphsystems, etwa nach Operationen, Tumorbehandlungen, Infektionen oder Verletzungen.

Ein Lymphödem entsteht durch eine strukturelle oder funktionelle Insuffizienz des Lymphgefäßsystems, die zu einer chronischen Ansammlung proteinreicher interstitieller Flüssigkeit führt. Primäre Lymphödeme beruhen auf angeborenen Fehlentwicklungen wie Hypoplasie, Aplasie oder Dysplasie der Lymphgefäße und können sporadisch oder genetisch bedingt auftreten. Sekundäre Lymphödeme entstehen deutlich häufiger und resultieren aus exogenen Schädigungen des Lymphsystems, etwa durch chirurgische Lymphknotenentfernung, Strahlentherapie, onkologische Erkrankungen (insbesondere Brust-, gynäkologische und urologische Tumoren), Traumata, chronisch-venöse Insuffizienz, wiederkehrende Infektionen (z. B. Erysipele) oder parasitäre Infektionen wie die lymphatische Filariose. Zu den zentralen Risikofaktoren zählen höheres Alter, Adipositas, reduzierte Mobilität, ausgedehnte oder kombinierte onkologische Therapien, lokale Entzündungen sowie prädisponierende anatomische Varianten des Lymphsystems; sie erhöhen die Belastung oder verringern die Transportkapazität des Lymphabflusses und begünstigen dadurch die Entwicklung eines Lymphödems.

Typische Symptome eines Lymphödems sind eine chronische, meist einseitige Schwellung von Arm, Bein oder anderen Körperregionen, die im Tagesverlauf zunimmt und sich durch Hochlagern nur teilweise zurückbildet. Das Gewebe wirkt schwer, gespannt oder druckempfindlich, die Haut kann fester oder verdickt erscheinen, und es zeigt sich oft eine verminderte Eindrückbarkeit (positives Stemmer-Zeichen oder sog. Pitting Edema – später fehlende Delle). Im fortgeschrittenen Stadium kann es zu Fibrose, Hautveränderungen wie Verhärtungen oder Fältelung sowie zu häufigeren Infektionen (z. B. Erysipele) kommen.
Die Diagnose eines Lymphödems beruht auf einer Kombination aus der klinischen Untersuchung, der detaillierten Krankenvorgeschichte und moderner bildgebender Diagnostik, die den Lymphabfluss der betroffenen Extremität sichtbar macht. Für eine verlässliche Diagnose ist eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen rekonstruktiver Mikrochirurgie und Radiologie essenziell. Radiologische Verfahren wie Lymphangio-MRT und Lymphszintigraphie ermöglichen eine präzise strukturelle und funktionelle Darstellung der Lymphbahnen. Auf dieser Grundlage kann der rekonstruktive Mikrochirurg evidenzbasiert entscheiden, ob und welche Verfahren zur Wiederherstellung des Lymphabflusses sinnvoll und erfolgversprechend sind.

Die folgenden Anzeichen können früh darauf hinweisen, dass sich ein Lymphödem entwickelt, noch bevor eine deutliche Schwellung sichtbar wird:

  • Feine, zunächst kaum sichtbare Schwellung einer Extremität, die im Tagesverlauf zunimmt.
  • Schwere- oder Spannungsgefühl im betroffenen Arm oder Bein, auch ohne sichtbare Schwellung.
  • Druckempfindlichkeit oder leichte Schmerzen im Gewebe.
  • Frühe Hautveränderungen wie leichte Eindrückbarkeit (positives Stemmer- oder „Pitting“-Zeichen in frühen Stadien).
  • Gefühl enger werdender Kleidung oder Schmuckstücke, z. B. enger sitzende Ringe, Armbänder, Hosenbeine oder Schuhe.
  • Reduzierte Beweglichkeit durch Spannungsgefühl oder beginnende Schwellung.
  • Wärme- oder Fülleempfinden im betroffenen Gebiet im Vergleich zur Gegenseite.
  • Asymmetrie der Extremitäten, sichtbar bei genauer Betrachtung oder im Vergleich mit der gesunden Seite.
Ziele der Behandlung

  • Reduktion der Schwellung
  • Verbesserung der Beweglichkeit und Funktion der betroffenen Extremität
  • Vorbeugung von Infektionen
  • Erhalt der Lebensqualität
    (Wenn möglich) Wiederherstellung eines natürlichen Lymphabflusses

1. Konservative Therapie (Basistherapie)

Die konservative Therapie ist die erste und wichtigste Behandlungsform und wird langfristig fortgeführt – auch dann, wenn später operative Techniken eingesetzt werden.

  • Kompressionstherapie

Die Kompression ist die wirksamste Maßnahme, um das Fortschreiten des Lymphödems zu verhindern.

  • In der Anfangsphase: Mehrlagige Kurzzugbinden
  • Langfristig: Maßgefertigte flachgestrickte Kompressionsstrümpfe oder -hosen
  • Moderne Alternative: Einstellbare Klett-Kompressionssysteme

Wirkung:

Erhöhter Außendruck senkt die Flüssigkeitsfiltration, verbessert den Lymph- und Blutfluss, vermindert Verhärtungen und schützt vor erneuter Schwellung.

2. Manuelle Lymphdrainage (MLD)

Sanfte Grifftechniken durch speziell ausgebildete Therapeutinnen und Therapeuten:

  • Unterstützen den Abtransport der Lymphflüssigkeit
  • Lindern Spannungsgefühl und Schmerzen
  • Am wirksamsten in Kombination mit Kompression

3. Bewegungstherapie

Bewegung unter Kompression aktiviert die Muskelpumpe:

  • Gehen, Radfahren, Aquagymnastik, moderates Krafttraining
  • Verbessert Schwellungen, Kraft und Beweglichkeit

4. Pneumatische Kompression / „Lymphapress“

Geräte zur Selbstbehandlung zu Hause, die über Luftkammern rhythmischen Druck ausüben.

  • Ergänzen Kompression und Lymphdrainage
  • Reduzieren Schwellung und Spannungsgefühl
  • Werden grundsätzlich von den Krankenkassen nach fachärztlicher Begutachtung übernommen

5. Wann ist eine Operation sinnvoll?

Eine Operation wird erwogen, wenn trotz konsequenter konservativer Therapie weiterhin:

  • deutliche Schwellungen bestehen
  • Schmerzen oder Funktionseinschränkungen auftreten
  • wiederkehrende Entzündungen auftreten
  • die Lebensqualität erheblich beeinträchtigt ist

Besonders erfolgversprechend sind operative Verfahren in frühen bis mittleren Stadien, solange noch funktionsfähige Lymphbahnen vorhanden sind.

6. Mikrochirurgische Rekonstruktionsverfahren

Diese modernen Operationen gelten heute als Goldstandard, wenn die konservative Therapie nicht ausreicht. Ziel ist die Wiederherstellung eines natürlichen Lymphabflusses.

Wichtig: Diese Eingriffe sollten nur in spezialisierten Zentren mit ausgewiesener mikrochirurgischer Expertise und entsprechender technischer Ausstattung durchgeführt werden.

6.1 Lymphovenöse Anastomosen (LVA)

  • Eine Operation, bei der Lymphgefäße mit kleinen Venen unter Mikroskop verbunden werden
  • Ermöglicht der gestaute Lymphe, direkt in das Venensystem abzuleiten
  • Besonders wirksam in frühen Stadien

6.2 Transplantation vaskularisierter Lymphknoten (VLNT / VLNTx)

  • Ein Lymphknotengewebe-Block mit eigener Blutversorgung wird transplantiert
  • Fördert Neubildung von Lymphgefäßen und verbessert langfristig den Abfluss
  • Besonders geeignet für mittlere und fortgeschrittene Stadien
  • Bessert Schwellungen und senkt Infekthäufigkeit (z.B. Wundrose)

6.3 Operationen in sehr fortgeschrittenen Stadien
(wenn Rekonstruktion nicht mehr möglich ist)

Bei langjährigem, unbehandeltem oder therapieresistentem Lymphödem kann es zu ausgedehnten Vernarbungen, Verhärtungen und starker Vermehrung einer Fibrose im Bindegewebe kommen. In solchen Fällen ist eine rekonstruktive Operation häufig nicht mehr sinnvoll, da:

  • kaum funktionsfähige Lymphgefäße vorhanden sind
  • der Gewebeumbau so ausgeprägt ist, dass eine Wiederherstellung der Lymphbahnen technisch unmöglich oder wenig erfolgversprechend ist

Hier kommen Gewebereduktions-Operationen zum Einsatz.

6.3.1  Liposuktion (Fett- und Gewebeabsaugung)

  • Entfernt das krankhaft vermehrte Fett- und Bindegewebe
  • Sehr effektiv in späten Stadien (oft > 80–90 % Volumenreduktion möglich)
  • Voraussetzung: lebenslange Kompression nach der Operation
  • Keine Wiederherstellung des Lymphsystems, aber deutliche funktionelle und kosmetische Verbesserungen

6.3.1  Kombinierte Gewebereduktionsplastiken
(z. B. Charles-Operation)

  • Offene Entfernung schwer geschädigter Haut- und Weichteile
  • Wird heute nur noch in sehr weit fortgeschrittenen Fällen eingesetzt
  • Ziel: Wiederherstellung der Mobilität, Reduktion von Komplikationen und Hautinfekten
  • Hoher operativer Aufwand, daher nur in spezialisierten Zentren

Unabhängig von der Therapieform gilt:

  • Konsequente Kompression ist lebenslang notwendig
  • Regelmäßige fachärztliche Kontrolle
  • Lymphdrainage und Bewegung bleiben wichtig
  • Gutes Hautmanagement verhindert Infektionen

Unsere Experten und Team

Dr. med. Lucian P. Jiga, FACS
Dr. med. Lucian P. Jiga, FACSZentrum Koordinator Chefarzt, Klinik für Plastische, Ästhetische, Rekonstruktive und Handchirurgie
Dr. med. Zaher Jandali, FACS
Dr. med. Zaher Jandali, FACSChefarzt, Klinik für Plastische, Ästhetische, Rekonstructive und Handchirurgie
Benedikt Merwart
Benedikt MerwartLeitender Oberarzt, Klinik für Plastische, Ästhetische, Rekonstructive und Handchirurgie
Dr. med. univ. Christian Hofsepian
Dr. med. univ. Christian HofsepianOberarzt, Klinik für Plastische, Ästhetische, Rekonstructive und Handchirurgie